Die transösophageale Echokardiographie (TEE) ist eine ergänzende Untersuchungstechnik zur konventionellen Herzultraschalluntersuchung, bei welcher der Schallkopf von außen auf dem Brustkorb aufgesetzt wird, um so bewegte zweidimensionale Bilder des Herzens in Echtzeit zu erhalten. Mit einem Schallkopf in der Speiseröhre dicht hinter dem Herzen ist eine deutlich bessere Schallqualität zu erzielen, vor allem bei Patienten, bei welchen aus verschiedenen Gründen eine Untersuchung von außen erschwert wird. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Indikationen, bei denen sich die Schlucksonden-Technik der herkömmlichen Echokardiographie als primär überlegen gezeigt hat. Dazu zählen die funktionelle Beurteilung von künstlichen Herzklappen, die Abklärung von Fieber unklarer Genese, akute thorakale Schmerzsyndrome, die Suche nach Blutgerinnseln im Herz, die Abklärung hypoxischer (unter Sauerstoffmangel leidender) und hypotoner Patienten (solche mit niedrigem Blutdruck) auf der Intensivstation, die Beurteilung komplexer Herzfehler sowie das Monitoring der Herzfunktion während chirurgischen Eingriffen am Herzen.
Die TEE ist (durchaus vergleichbar mit einer Magenspiegelung) eine semiinvasive Technik, die in der überwiegenden Mehrzahl der Untersuchungen komplikationslos durchgeführt werden kann. Das Gesamt-Risiko TEE-assoziierter Komplikationen ist mit < 1% gering. Die Untersuchung wird bei nüchternen, bewusstseinsklaren Patienten in Linksseitenlage durchgeführt. Nach lokaler Rachenanästhesie und gegebenenfalls Verabreichung eines Beruhigungsmittels wird der auf einem modifizierten Gastroskop montierte TEE-Schallgeber in die Speiseröhre eingeführt. Die kurze Entfernung zwischen Speiseröhre und Herz und die damit verbundene organnahe Lage des Schallkopfs erlauben einerseits den Einsatz höherer Schallkopffrequenzen (5,0 oder 7,5 MHz) und somit eine bessere Bildauflösung, andererseits fällt störendes Lungen- und Brustwandgewebe weg, das gerade bei Patienten mit Lungenemphysem oder Fettleibigkeit oft zu reduzierten Bildqualitäten führen kann. Darüber hinaus können von der Speiseröhre aus Schallebenen und Organstrukturen dargestellt werden, die einer transthorakalen Untersuchung entgehen oder dieser nur unzureichend zugänglich sind, u. a. das linke Vorhofohr, die Vena cava superior, die Bifurkation der Arteria pulmonalis sowie die thorakale Aorta. Durch das verbesserte Signal-Rausch-Verhältnis wird außerdem die Darstellung echoarmer Strukturen, wie z. B. eines frischen Thrombus (Blutgerinnsels), deutlich verbessert. Die hohe Sensitivität im Nachweis von Thromben im linken Herzvorhof erlaubt es uns heute, das Konzept einer TEE-gesteuerten Kardioversion bei Patienten mit Vorhofflimmern zu entwickeln. Darunter wird eine „Rückstellung“ und Normalisierung des Herzrhythmus durch einen elektrischen Stromimpuls oder Medikamente nach echokardiographischem Ausschluss von Vorhofthromben verstanden. Dieses Konzept, mit dem auf die sonst notwendige mehrwöchige Antikoagulation (Hemmung der Blutgerinnung, „künstlicher Bluter“) vor einer geplanten Kardioversion verzichtet werden kann, gehört dank der Ausstattung mit den modernsten zur Zeit zur Verfügung stehenden Echokardiographiegeräten und der langjährigen Erfahrung der Abteilung für Innere Medizin auf diesem Gebiet zum medizinischen Standard am LKH Freistadt.
Der prinzipielle Vorteil der TEE im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren ist die bettseitige, universell verfügbare und kostengünstige Anwendbarkeit. Darüber hinaus verbindet die TEE in der kardialen Diagnostik einzigartige strukturelle mit funktionellen Daten bei gleichzeitig hoher diagnostischer Sicherheit. Damit ist die TEE-Technik bereits heute gerüstet, neben alternativen bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie auch zukünftig bestehen zu können.