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Harninkontinenz – wenn Blasenschwäche die Lebensqualität zerstört

Unkontrollierbarer, unwillkürlicher Harnverlust kann die Lebensqualität eines Menschen ernstlich beeinträchtigen. Er führt mitunter zu Hautstörungen, Infektionen, zum Verlust des Selbstwertgefühls, zu sozialer Isolation und Gehemmtheit. Obwohl Frauen jeder Altersgruppe davon betroffen sind, gilt die Inkontinenz in der Bevölkerung nach wie vor als Tabuthema. Sie ist nicht selten der Grund dafür, dass ältere Frauen in ein Pflegeheim eingewiesen werden, da sich die Angehörigen nicht auch noch um dieses „Problem“ kümmern möchten.

Frauen, die an Harninkontinenz leiden, sind in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt. Durch den unkontrollierbaren Harnverlust sind sie gezwungen, Windeleinlagen zu verwenden, um sich nasse Unterwäsche oder andere Peinlichkeiten zu ersparen. Aus Angst, jemand könnte ihr Leiden entdecken, trauen sich viele Betroffene nicht mehr in die Öffentlichkeit. Sie meiden intensivere körperliche Nähe zu ihren Lebenspartnern, fühlen sich nicht mehr als vollwertige Frauen und verlieren nicht zuletzt die Lust am Leben und ihr Selbstwertgefühl. „Frauen müssen sich mit diesem Leiden nicht abfinden, in 90 % der Fälle ist Hilfe möglich“, erklärt Prim. Dr. Josef Sabbagh, Leiter der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Station am LKH Freistadt.
Die häufigsten Formen der Harninkontinenz sind die Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz sowie die Dranginkontinenz. Die Belastungsinkontinenz, eine Schließmuskelschwäche, ist dadurch charakterisiert, dass bei intraabdomineller Druckerhöhung der Blasendruck den Harnröhrendruck übersteigt. Dadurch entsteht bei körperlicher Belastung wie z. B. Niesen, Husten und Lachen oder beim Hochheben von Lasten ein unwillkürlicher Harnabgang. Normalerweise widersteht der Verschluss der Harnröhre dem Stress eines plötzlich auftretenden Druckanstiegs im Bauchraum. Wenn jedoch der Aufhängeapparat oder die Bänder, die die Harnröhre unterstützen, nachlassen und wenn nicht mit Hilfe der Beckenbodenmuskulatur der Verschlussmechanismus unter Stress-Situationen verbessert wird, aber auch wenn der weibliche Körper mit zunehmendem Alter die Hormone reduziert, kann es zur Inkontinenz kommen.
Die Belastungsinkontinenz wird sowohl mit konservativen Therapien wie Beckenbodentraining, Biofeedback oder Elektrostimulation als auch mit Medikamenten – Östrogene in Form von Cremen oder Scheidenzäpfchen – behandelt. „Bei Versagen der konservativen oder medikamentösen Behandlungsmethoden sowie bei schweren Formen der Inkontinenz raten wir unseren Patienten oft zu einer Operation. Das zurzeit am häufigsten eingesetzte Verfahren ist die so genannte tension-free-vaginal-tape-(TVT)-Operation mit einer Erfolgsrate von 80 bis 90 %“, erklärt Prim. Dr. Josef Sabbagh. Bei diesem minimalinvasiven Eingriff wird ein speziell entwickeltes Kunststoffband von der Scheide aus um die Harnröhre angebracht. Die Netzstruktur des Bandes umschließt die Harnröhrte selbstständig und unterstützt so spannungsfrei deren optimale Funktion. Diese in Schweden entwickelte Methode ist heute an fast allen gynäkologischen oder urologischen Abteilungen in Österreich vertreten. Vorteile dieser für die Frau kaum belastenden minimalivasiven Methode liegen klar auf der Hand: Die Operation kann mit Kreuzstich, lokaler Anästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden und dauert maximal 30 Minuten. Die Patientin hat kaum Schmerzen nach der Operation, benötigt keinen Katheter und kann das Krankenhaus noch am selben Tag oder einen Tag nach dem Eingriff wieder verlassen. Ein weiterer Vorteil liegt in der verkürzten Arbeitsunfähigkeit sowie in der geringen Komplikations- und Nebenwirkungensrate.

Eine weitere Form ist die so genannte Drang-Inkontinenz, welche rund 20 bis 25 % aller Fälle ausmacht und vor allem bei älteren Frauen auftritt. Die Drang-Inkontinenz (überaktive Blase) ist ein unwillkürlicher Harnabgang bei imperativem Harndrang ohne körperliche Belastung und bei intaktem Harnröhrenverschluss. Auch bei geringer Blasenfüllung treten unhemmbare Blasenkontraktionen auf, sodass dies – wenn die Möglichkeit zur sofortigen Blasenentleerung nicht vorhanden ist – Inkontinenz zu Folge hat. Die Drang-Inkontinenz wird häufig durch Harnwegsinfekte, Cystis, Blasentumore oder Blasensteine hervorgerufen, aber auch Diabetes kann mitwirken. Sie wird medikamentös und konservativ behandelt. Medikamente sollen den Blasenmuskel entspannen und dadurch das Fassungsvermögen der Blase erhöhen. Falls diese Maßnahmen nicht greifen, kommen Elektrotherapie oder Physiotherapie (Miktionstraining, Toilettentraining, Beckenbodengymnastik) zum Einsatz.

An der urodynamischen Ambulanz des LKH Freistadt werden jährlich zwischen 150 und 200 Patientinnen wegen Harninkontinenz behandelt. „Wir raten allen betroffenen Frauen, sich an einen Arzt ihres Vertrauens zu wenden und Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn die Lebensqualität muss durch Harninkontinenz nicht verloren gehen“, bekräftigt Prim. Dr. Sabbagh.